Schritt für Schritt zum Elektroweidezaun

Wir erklären Ihnen, worauf es beim Zaunbau ankommt

Funktionsweise


Ein Elektrozaun ist ein offener Stromkreis, der geschlossen wird, sobald ein Tier den Zaun berührt. Dann fließt ein Stromimpuls vom Zaun über das Tier und löst eine schmerzhafte aber ungefährliche Muskelkontraktion aus. Das Tier merkt sich diese unangenehme Erfahrung und respektiert künftig den Elektroweidezaun als Grenze.

Bestandteile des Weidezauns

Ein Weidezaun setzt sich aus folgenden Komponenten zusammen

  • Weidezaungerät mit passender Erdung
  • Pfosten und passende Isolatoren
  • Leitermaterial und Verbinder
  • Tore
  • Messgerät


Weidezaungerät

Das Elektro-Weidezaungerät gibt regelmäßig Spannungsimpulse auf den Elektrozaun ab. Folgende Typen gibt es:

Steckdose

Netzgeräte

Wo immer ein 230V-Anschluss (Steckdose) verfügbar ist, sollten Netzgeräte eingesetzt werden.

Batterie / Akku

Batterie-Geräte

Ist kein Netz-Anschluss verfügbar, muss ein Batterie-Gerät verwendet werden. Je nach Leistungsklasse werden diese Geräte mit 9V-Batterie oder 12V-Akku betrieben. In der Regel steht der Akku außerhalb des Weidezaungerätes. Es gibt aber auch Weidezaungeräte mit integrierter Akku-Box.

Steckdose / Batterie / Akku

Combi-Geräte

Combi-Geräte bieten Ihnen maximale Flexibilität. Ist eine Steckdose am Weidezaun verfügbar, werden sie am 230V-Netz betrieben. Ist kein Netz-Anschluss verfügbar, kann es im Batterie-Betrieb verwendet werden.

Die Kraft der Sonne

Solargeräte

Es gibt kompakte Solar-Geräte mit eingebauter Solarzelle. Zudem können Batterie-Geräte mit einem externen Solarmodul betrieben werden. Entscheidend ist, mit wie vielen Sonnenstunden am Standort des Gerätes zu rechnen ist.

Bewuchs

Der zu erwartende Bewuchs hat einen großen Einfluss auf die Wirkung des Weidezaungerätes. Äste oder zu hohes Gras schließen den Stromkreis, was die Schlagkraft und damit die abschreckende Wirkung des Zaunes auf das Tier herabsetzt. Deshalb sind Weidezäune regelmäßig auszumähen. Bei starkem Bewuchs kann das nächst stärkere Gerät gewählt werden. 

Dabei ist aber zu beachten, dass nach DIN VDE 0131 (VDE 0131):2020-01 Weidezaungeräte vermieden werden sollen, deren Ausgangsleistung deutlich über dem Bedarf liegen. In der Nähe von Wohngebieten und dort wo häufig mit unbeaufsichtigten Kindern zu rechnen ist, soll die Ausgangsleistung nicht über 2,5 Joule liegen. Bei stärkeren Geräten ist ein reduzierter Ausgang zu verwenden bzw. ein Vorwiderstand zu installieren.

Erdung

Extrem wichtig, damit das Weidezaungerät seine volle Kraft entfalten kann. Leider oft vernachlässigt.

So überprüfen Sie die Erdung

  1. Der Zaun muss in Ordnung sein, es sollten möglichst 3.000 V Spannung anliegen.
  2. Kurzschluss verursachen, ein Metallpfahl, z.B. T-Pfosten, in ca. 100 m Abstand vom Erdungssystem auf den Zaun legen.
  3. Spannungsmessung mit einem Digital-Voltmeter am Erdungsstab oder direkt am Erdungsausgang des Weidezaungerätes. Die Erdung des Messgerätes muss idealerweise 3 Meter Abstand des Weidezaungerätes haben. Da die Erdkabel der Messgeräte zu kurz sind, sollte ein Untergrundkabel verwendet werden, dessen abisoliertes Endstück in die Erde gesteckt wird, während das andere Ende an den Erdungsanschluss des Messgerätes gehalten wird.
  4. Wenn die Spannung an der Erde über 500 V liegt, sollten weitere Erdstäbe installiert werden.

Erdung: Auf einen Blick

  • mindestens ein Meter Länge
  • verzinkt, um isolierenden Rost zu vermeiden
  • an einer möglichst feuchten Stelle bis unter die Anschlussschraube in den Erdboden einbringen
  • mehrere Erdungsstäbe mit mindestens drei Metern Abstand untereinander setzen und mit fest geschraubtem bzw. geklemmtem Untergrundkabel verbinden


Nach DIN VDE 0131 muss die Weidezaungeräte-Erdung von der Schutz- und Betriebserde des Netzes getrennt sein und mindestens 10 m Abstand haben.

Weitere Bausteine für den Elektroweidezaun

Leitermaterial, Zaunmessgerät und Tore

Leiter: Litze, Seil, Draht oder Breitband?

Zaunleiter müssen stabil, witterungsbeständig und leitfähig sein. Der Leitungswiderstand ist die wichtigste Größe. Er informiert über die Leitfähigkeit des Materials. Je kleiner der Widerstand, um so geringer die Spannungsverluste. Die Leitfähigkeit wird in Ω/m angegeben. 

Bei Pferden ist eine gute Sichtbarkeit der Zaunleiter unbedingt erforderlich. 

Übrigens: Stacheldraht ist keine Option für einen Elektro-Weidezaun. Es ist verboten Stacheldraht unter Spannung zu setzen!

Warnschilder

Allgemein muss eine Elektrozaunanlage so montiert sein, dass von ihr keine Gefahr für Mensch, Tier und Umgebung ausgeht. Elektrozäune an öffentlichen Straßen oder Wegen müssen alle 50 bis 100 m sowie an Einmündungen und Kreuzungen durch Warnschilder (EWARN) gekennzeichnet werden. Die Schilder werden an Pfosten oder am Zaunleiter befestigt.

Tore im Weidezaun

Weidezauntore sind sensible Stellen im Zaunsystem. Da sich die Tiere häufig am Weideausgang drängen, müssen Zauntore besonders ausbruchssicher sein. Die sicherste und zugleich komfortabelste Torlösung sind feste, feuerverzinkte Metalltore mit passenden Verschlüssen. Feste Tore können ein- oder zweiflüglig sein. Neben einem festen Tor können auch flexible Weidetore verwendet werden. Diese bestehen aus isolierten Torgriffen mit gefederten Einhängehaken, Leitern und den Befestigungselementen am Zaun. Bequem sind Torsets, die aus elastischem Material bestehen oder aufrollbar sind. Sie verhindern, dass beim Öffnen die Leiter am Boden liegen. Ein Untergrundkabel leitet die Spannung unter dem Tor weiter.

Isolierte Torgriffe

Leitende Verbindungselemente

Zaun-Messgerät

Die Zaun-Spannung muss täglich gemessen werden

Sie muss mind. 2.000 V betragen. In Abhängigkeit von der Tierart und Bodentrockenheit werden höhere Spannungen empfohlen. Zum Beispiel bei Rindern bei trockenem Boden mind. 4.000 V, bei normalen Boden mind. 3.000 V. Bei Schafen und Ziegen ist liegt die Empfehlung bei trockenem Boden sogar bei mind. 5.000 V. Zum Auszäunen des Wolfes sollten mind. 4.000 V vorhanden sein, bei trockenem Boden mind. 5.000 V (siehe DIN VDE 0131). Bei Batterie- und Akkugeräten ist die Batteriespannung zu messen und gegebenenfalls auszutauschen bzw. nachzuladen.

Die Werte sind täglich in einem Weidebuch zu protokollieren

Hilfreich kann hierbei die integrierte Überwachungsfunktion von ausgewählten Weidezaungeräten sein. Ebenso gibt es Zaun-Überwachungs-Geräte wie den FENCYV6, die eine Überwachung und Protokollierung unabhängig vom Weidezaungerät durchführen.

Fehlersuche

Häufige Ursachen für Fehler in der Zaunanlage.

Eine unzureichende Erdung ist eine der häufigsten Ursachen von schlecht funktionierenden Zäunen.

  • Zu trocken? 
  • Gießen kann manchmal schon Abhilfe schaffen Verrostet? 
  • Nur verzinkte Erdungsstäbe verwenden Nicht ausreichend fürs Weidezaungerät? 
  • Herstellerangaben beachten bzw. Erdung messen
Durchschlagen von Isolatoren und unzureichende Verbindungen können ernste Spannungsverluste verursachen. Defekte Isolatoren sind häufig an einer spröden und rissigen Oberfläche oder einem gebrochenen Isolierkörper zu erkennen. Hilfreich ist es, den Zaun im Dunkeln abzulaufen. Grobe Fehler sind durch Blitzen und Knacken zu erkennen. Bei starken Geräten kann der Funke sogar kleine Abstände in der Luft überbrücken: Vorsicht bei nahem Entlangführen von Zaun an Eisenstäben! Übrigens: Im Winter können Eisbildung und Schnee zu Ableitungen führen. Auch Vogelkot und Schneckenschleim sind leitend.
Verbinden von Bändern, Seilen und Litzen nur mit passenden Verbindern. Nicht knoten! Metallische Leiter müssen intensiven Kontakt zueinander haben.
Wenn Gras, Äste etc. den Zaun berühren, führt dies zu Ableitungen des Stroms. Daher sollten Sie den Zaun regelmäßig kontrollieren und rechtzeitig ausmähen.
Gerne übersehen wird auch die Zuleitung vom Weidezaungerät zum Zaun. Hier guten Kontakt durch hochwertige Verbinder erzielen. Die Zuleitungen prüfen: Sind Untergrundkabel ausreichend und überall isoliert?
Achtung: 
Kabel, welche in der häuslichen Elektroinstallation verwendet werden, haben nur eine Spannungsfestigkeit von maximal 1.000 Volt. Die hohen Spannungen von Weidezaungeräten (teilweise über 10.000 Volt) durchschlagen diese Isolation. Nutzen Sie deshalb unser hochspannungsfestes Untergrundkabel.
Das Leitermaterial ist regelmäßig zu überprüfen. Vor allem bei Bändern können Alter und/oder mangelnde Qualität zu erheblichen Verlusten führen. Qualitativ minderwertige Leiter oder mehrfache Leiterbrüche behindern den Stromfluss. 

Übrigens: 
Stacheldraht ist keine Option</strong> für einen Elektro-Weidezaun. Es ist verboten Stacheldraht unter Spannung zu setzen!
Ein zu schwaches Weidezaungerät die Ursache für zu geringe Spannung sein. Bei langen Zäunen – insbesondere bei Schafnetzen oder vieldrähtigen Zäunen – kann die Leistung des Weidezaungerätes nicht mehr ausreichen. Bei nicht hütesicherer Spannung am Ende des Zaunes und fehlerfreiem Zaunverlauf, den Zaun kürzen bzw. ein stärkeres, auf die Zaunanlage abgestimmtes Gerät anbringen. Sollte überhaupt keine Spannung am Zaun anliegen, das Gerät abklemmen und direkt zwischen Zaunanschluss und Erdung anschließen. Wenn dort keine Spannung zu messen ist, Akku und Batterie prüfen. Sind auch diese in Ordnung, repariert TEXAS TRADING das defekte Weidezaungerät.

Die richtige Zaunhöhe


Nach DIN VDE 0131 (VDE 0131): 2020-1

Allgemein gilt zu beachten:

Höhe und Ausführung des Elektrozaunes hängen von Tierart und Standort der Weide ab. Beim Standort wird unterschieden, ob sich die Weide in der Nähe eines Risikobereiches befindet oder nicht. Risikobereiche/Gefahrenquelle sind stark frequentierte Verkehrswege wie Autobahnen, Bundestraßen, Bahnlinien, Flugplätze. 
Bei Pferden ist die Nähe zum Risikobereich mit bis zu 1000 m definiert, bei allen anderen Tierarten 500 m. Ausnahme sind Hausschweine, die unter keine Abstandsregel fallen. Bei Schweinen sind weitere, oft regional verschiedene, Vorschriften zu beachten (z.B. Außenzaun, etc.).

Empfohlene Zaunhöhen nach Tierart:

Milchkühe

In Risikobereichen: 

 (Weide bis 500 m zur Gefahrenquelle): Elektrofestzaun mit Draht mit 2 Reihen (60/90 cm) 
  Nicht im Risikobereich: 
 Elektrozaun mit Litzen, Seilen oder Bändern mit einer Reihe (85 cm)

Mutterkühe mit Bulle und Kälbern/Jungrindern

In Risikobereichen:

(Weide bis 500 m zur Gefahrenquelle): Elektrofestzaun mit Draht mit 3 Reihen (45/75/105 cm)

Nicht im Risikobereich:
Elektrozaun mit Litzen, Seilen oder Bändern mit 2 Reihen (60/85 cm)

Schafe

In Risikobereichen:

(Weide bis 500 m zur Gefahrenquelle): Elektrofestzaun mit Draht mit 4 Reihen (25/45/65/90 cm) 

Nicht im Risikobereich: 

(oder für Wanderschäfer, weil Hüter vor Ort) Elektrozaun mit Litzen, Seilen, Bändern oder Netzen mit 3 Reihen (25/50/85 cm)

Ziegen

In Risikobereichen: 

(Weide bis 500 m zur Gefahrenquelle): Elektrofestzaun mit Draht&nbsp;mit 5 Reihen (20/40/60/85/110 cm) 

Nicht im Risikobereich: 
Elektrozaun mit Litzen, Seilen, Bändern oder Elektrozaunnetzen mit 3 Reihen (25/50/85 cm)

Ponys

In Risikobereichen: 

(Weide bis 1.000 m zur Gefahrenquelle): Elektrofestzaun mit 40 mm breitem Elektrozaunband oder mit leitendem Kunststoff ummantelte Drähte (EquiFence) mit 3 Reihen (45/75/120 cm) 

Nicht im Risikobereich: 
Elektrozaun mit Seilen oder Bändern mit 2 Reihen (60/105 cm)

Großpferde

In Risikobereichen:

(Weide bis 1.000 m zur Gefahrenquelle): Elektrofestzaun mit 40 mm breitem Elektrozaunband oder mit leitendem Kunststoff ummantelte Drähte (EquiFence) mit 3 Reihen (60/100/140 cm) 

Nicht im Risikobereich: 
 Elektrozaun mit Seilen oder Bändern mit 2 Reihen (60/120 cm)

Springpferde & Hengste

In Risikobereichen: 

(Weide bis 1.000 m zur Gefahrenquelle): Elektrofestzaun mit 40 mm breitem Elektrozaunband oder mit leitendem Kunststoff ummantelte Drähte (EquiFence) mit 3 Reihen (60/110/160 cm) 

Nicht im Risikobereich: 
Elektrozaun mit Seilen oder Bändern mit 3 Reihen (60/100/140 cm)

Hinweis: Die angegebenen Zaunhöhen können um +/- 10 cm variieren.

Tipp: Halten Sie Rücksprache mit Ihrer Versicherung, ob deren Anforderungen an den Weidezaun von den Vorgaben der VDE abweichen.